Ein stiller Raum für Ostara
Durch die Vorhänge fällt ein diffuses Frühlingslicht.
Nicht grell. Nicht fordernd.
Nur warm genug, um zu erinnern:
Das Dunkel hat nicht gewonnen.
Ostara ist für mich kein lauter Neubeginn.
Kein plötzliches Aufblühen.
Sondern ein Moment des Gleichgewichts –
zwischen dem, was war,
und dem, was wachsen darf.
Nicht alles muss sofort blühen.
Manches darf erst einmal nur Licht spüren.
Ich merke, wie sehr mich dieser Gedanke in diesem Jahr begleitet.
Nicht alles in mir ist bereit für einen großen Aufbruch.
Nicht jeder Wunsch ist schon klar.
Nicht jede Idee hat Wurzeln geschlagen.
Und doch ist da etwas.
Ein leises Strecken.
Ein vorsichtiges Aufrichten.
Ein Gefühl von: Ich darf anfangen.

Ostara erinnert mich daran,
dass Gleichgewicht nicht bedeutet,
dass alles perfekt ausbalanciert ist.
Sondern dass Licht und Dunkelheit nebeneinander existieren dürfen.
Dass ich nicht erst „fertig“ sein muss,
um neu zu beginnen.
Vielleicht ist Neubeginn nicht das große Blühen.
Vielleicht ist er einfach der Moment,
in dem ich das Licht wieder zulasse.
Ein stiller Raum für Ostara
In diesem Jahr habe ich mir für Ostara einen kleinen, stillen Raum geschaffen.
Ein Glas, dessen Boden ich mit grünem Sand bedecke –
vielleicht in einem sanften Salbeiton.
Nicht knallig. Nicht laut.
Ein Grün, das an erste Triebe erinnert.
In der Mitte steht eine weiße Kerze.
Ich habe kurz über Lila nachgedacht,
doch Weiß fühlt sich klarer an.
Wie ein Neubeginn ohne Überforderung.
Ein Rosmarinzweig lehnt sich an das Glas.
Daneben eine Narzissenblüte aus unserem Garten –
still gewachsen, und doch voller Licht.
Zwischen dem Grün liegen Bergkristall und Mondstein.
Klarheit und Intuition.
Licht und leises Vertrauen.

Ich zünde die Kerze bewusst an.
Nicht hastig.
Nicht nebenbei.
Und dann lasse ich mich hineinfallen –
in eine Meditation
oder einfach in klare Gedanken.
Manchmal reicht es schon,
mit einer Tasse Tee auf der Couch zu sitzen,
die Kerze brennen zu sehen
und ein gutes Buch aufzuschlagen.
Vielleicht sogar noch einmal Die Mitternachtsbibliothek.
Nicht als Flucht.
Sondern als Begleitung.

Die Kerze brennt ruhig.
Das Licht ist weich.
Der Frühling klopft nicht laut an –
er ist einfach da.
Und während ich dastehe oder sitze,
mit Tee in der Hand
und Licht im Blick,
wird mir bewusst:
Nicht alles muss sofort blühen.
Manches darf erst einmal nur Licht spüren.
Zwischen Stoff und Worten.
Zwischen Tag und Nacht.
🌙 Dies et Nox