🌞 Litha – Wenn das Licht bleibt

Die Tage werden immer länger,
bis sie gar nicht mehr enden wollen.

Die Sonne hat ihre volle Kraft entfaltet
und ihre Wärme liegt spürbar auf der Haut.

Jetzt beginnt man die Kraft der Natur erst richtig wahrzunehmen.
Den Duft der Blüten im Garten.
Das Summen der Bienen und Hummeln.

Man kann das Leben beinahe greifen.

Der warme Sommerwind zieht durch den Wald,
während die Blätter leise im Takt des Vogelgezwitschers rauschen.


Egal wohin man blickt,
überall scheint gerade Leben zu sein.

Im Wasser kann man kleine Wasserlebewesen umherflitzen sehen,
während Wasserläufer lautlos über die Oberfläche jagen.

Jede Bewegung wirkt ruhig,
vollkommen
und genau aufeinander abgestimmt.

Die Blüten der Pflanzen leuchten im Sonnenlicht in ihren sattesten Farben.

Das sanfte Lila des Lavendels.
Die blauen Blüten des Eisenkrauts.
Das kräftige Gelborange einer großen Sonnenblume.

Und zwischen all diesen Farben
fliegen Hummeln und Bienen von Blüte zu Blüte,
sammeln Blütenpollen
und verschwinden wieder summend im Garten.


Durch diese langen Tage verliert man irgendwann das Zeitgefühl.
Und vielleicht ist genau das das Schöne daran.

Man kann lange draußen sitzen,
die Wärme genießen
und einfach bleiben, wo man gerade ist.

Vielleicht mit einem kleinen Lagerfeuer,
dessen Licht ruhig in die Sommernacht flackert.

Alles wirkt langsamer.
Losgelöster.

Und während man draußen sitzt,
verliert die Welt ein wenig von ihrer Hektik.

Man beginnt automatisch zu entschleunigen
und sich wieder stärker mit der Natur zu verbinden.

Vielleicht möchte man tanzen.
Vielleicht einfach nur still den Abend beobachten.

Beides fühlt sich richtig an.


In diesem Jahr würde ich meinen Litha-Altar mit weißem Sand als Bodengrund gestalten.

Darauf würde zentral ein großer Bergkristall vor einer weißen Kerze stehen.

Links und rechts, leicht hinter der Kerze,
würde ich ein oder zwei Lavendelblüten platzieren.

Dahinter, eingerahmt vom Lavendel,
eine große Sonnenblumen- oder Ringelblumenblüte.

Die warmen Gelb- und Orangetöne würden sich dabei sanft vom Weiß der Kerze abheben.

Vor den Lavendelblüten würde ich jeweils eine Zitronenscheibe in den Sand setzen.

Und allein die Vorstellung davon —
dieser Mix aus warmem Sommerlicht, Lavendelduft und frischer Zitrone —
fühlt sich bereits nach Litha an.


Durch die langen Tage wird die Dunkelheit ein wenig verdrängt
und es dauert gefühlt ewig,
bis sich das Licht langsam zurückzieht.

Doch selbst wenn der Tag endet,
bleibt noch die angenehme Restwärme des Sommers.

Die Luft wirkt ruhiger.
Weicher.

Und wenn man Glück hat,
kann man im Garten die Glühwürmchen unter dem kleinen japanischen Ahorn beobachten.

Wie sie immer wieder leise aufleuchten
und für einen kurzen Moment wirken,
als würde das Licht doch noch ein wenig bleiben.


Zwischen Stoff und Worten.
Zwischen Tag und Nacht.
🌙 Dies et Nox